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The OA: Review zur neuen Netflix Mystery-Serie

The OA ist kein Massenprodukt! Doch ganz genau wie Netflixs Stranger Things soll das Mystery-Drama Aufsehen erregen. Newsslash durfte die Serie noch vor der Veröffentlichung einsehen und sich ein Bild machen. Worum es in der Serie geht und ob sie euch gefallen könnte, erfahrt ihr in unserem Review.
Von Daniel Schimek am 16.12.2016
Bild-Quelle: Netflix / Newsslash
Kennt ihr das? Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr eine wirklich gute Serie beendet und euch - der Neugierde geschuldet - ein wenig über den Cliffhanger aufgeregt habt? Wenn ihr froh darüber seid, eben nicht schon nach den ersten paar Minuten den Sender oder Stream gewechselt zu haben, um mehr Action, mehr Handlung, mehr Charaktere, mehr Kampf, mehr Tot und mehr Bilder für den Kopf erleben zu können?

Netflix glänzt dieser Tage mit so manchem Versprechen hinsichtlich neuer Eigenproduktionen, neuem Content und vor allem neuen Genres. Dass sich Comicverfilmungen gut ans Video on Demand - Publikum bringen lassen ist bekannt. Dass epische Buchverfilmungen wie Game of Thrones wahre Fan-Hypes und Merchandise-Wellen schlagen können, weiß Amerikas größter Streaming-Anbieter ebenfalls. Selbst Präsidentschafts-Politik lässt sich bei jüngeren Zuschauern verkaufen, solange sie im House of Cards - Stil à la Shakespeare mit allerlei Intrigen, Morden und Korruption gewürzt und in Serienformat gepresst wird. Doch Netflix kann mehr und will mehr.

The OA ist ein weiterer Schritt in Richtung Nischen-Streaming und Kultserien. Mit Stranger Things gelang Netflix ein Durchbruch in einem jener Genres, welches eigentlich nicht dem Mainstream-Zuschauer vorbehalten ist. Stranger Things konnte damals mit intelligent wie kultiger Machart und authentischer Musik auftrumpfen, während der verfilmte Inhalt summa summarum in zwei Vierzeilern erzählt werden konnte.



Die Serie The OA unter der Produktion der beiden Filmemacher und Schauspieler Brittany „Brit“ Heyworth Marling und Zal Batmanglij, ist ein Novum in der bisherigen Serienlandschaft. Während mir Batmanglij nur vage bekannt vorkam, musste ich bei Marling direkt an eine ihrer früheren Performances zurückdenken. Die 34-Jährige Künstlerin war nicht nur bereits gefeierte Schauspielerin, sondern auch schon Produzentin und Showrunner. Mir bekannt aus der Science-Fiction-Zukunftsutopie Another Earth, spielt sie auch in The OA eine Rolle - die Hauptrolle.

The OA ist eine langsam anlaufende Serie!
The OA ist eine zunächst sehr langsam anlaufende Serie obgleich der fesselnde Anfang anderes vermuten lässt. Ganz im lo-fi Stil startet die Serie mit einem Handyvideo auf dem eine junge Frau aus dem Auto hechtet, zum Brückengeländer sprintet, es erklimmt und springt. Solch eine Szene habe ich zuvor noch nie zu Beginn einer Serie oder eines Films gesehen und unterbewusst verspricht mir der Anfang, dass ich es nun mit spannenden, durchdachten und intelligenten 8 Folgen zu jeweils einer Stunde Serien-Spaß zutun bekomme.

Während ich schaue wird mir einiges sofort bewusst, diese Serie hat Längen und Tiefen. Und auch wenn ich ein aufmerksamer Zuschauer bin, so gibt es doch zu keinem Zeitpunkt innerhalb der Storyline absehbare Handlung oder mehr für den Zuschauer zu verstehen, als das was das Marling-Batmanglij-Duo seinen Fans zu zeigen bereit ist - ein Genuss für diejenigen, die genug haben von vorhersehbaren Handlungssträngen und naivem Storytelling.



Worum Geht’s?

Near-death-experiences zu Deutsch: Nah-Tod-Erfahrung, darum gehts bei The OA! Während zunächst noch alles kryptisch erscheint und die Produzenten ihren Haupt- wie Nebenrollen sehr viel Zeit und Spielraum lassen um sich zu entwickeln, so ist doch das Thema der Serie schon nach den ersten paar Folgen klar. Auch wenn der Fokus auf den Nahtoderfahrungen liegt, so erzählt die Geschichte noch viel mehr.

Nach 7 Jahren wieder sehend aufgetaucht!
Brit Marling selbst spielt Prairie Johnson, eine junge Frau Ende 20 die in ihrem Heimatort als Verschwunden und Entführt galt, bis sie nach 7 Jahren Abwesenheit wieder auftaucht, von einer Brücke springt, überlebt und scheinbar traumatisiert mit einem Rücken voller Narben im Krankenhaus erwacht. Ihre Eltern, gespielt von Scott Wilson als Abel Johnson und Alice Krige in der Rolle der Nancy Johnson sind so geschockt, wie verwundert über das Wunder der Rückkehr ihrer verloren geglaubten Tochter. Weit spektakulärer ist jedoch der Umstand, dass Prairie Zeit ihres Lebens bei den Johnsons blind war - als sie zu ihren Eltern zurückkommt kann sie sehen.

Nachdem sich der Wirbel um Prairies Auftauchen gelegt hat und sich langsam der Nebel der Ungereimtheiten um die Rolle der Protagonistin lichtet, werden auch die anderen Charaktere vorgestellt. Hierbei haben es die Regisseure besonders auf unterschiedliche wie spannende Charaktere abgesehen. Spannend, nicht etwa weil sie Superkräfte haben, außerirdisch sind oder auf Drachen reiten; spannend, da jeder von ihnen seine eigene Geschichte zum großen Ganzen in The OA einbringt. Während Prairies Schicksal Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist, treten immer wieder die Nebenrollen per Swing-By in Aktion und ein jeder scheint, obwohl er seine ganz eigenen Sorgen und Nöte hat, mit Prairie verbunden zu sein.



Da hätten wir beispielsweise Steve Winchell (Patrick Gibson), einen typischen Schulschläger, der immer zuerst mit den Fäusten denkt, statt seinen Verstand zu benutzen. French (Brandon Perea) ist der Musterschüler. Kurz vor einem Stipendium stehend, befindet er sich an einer für ihn wichtigen Weggabelung des Lebens, sollte er die Chance ergreifen und ein weit entferntes College besuchen oder sollte er sich um seine alkoholabhängige Mutter kümmern? So oder so, ähnlich verhält es sich mit allen anderen Charakteren. Jeder hat seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und jeder bekommt von den Regisseuren die Spielzeit, die er benötigt.

Ein weiterer Pluspunkt für The OA ist aus meiner Sicht auch das Aufsplitten der Handlungsstränge. Hierbei erzählt Prairie ihren neu gewonnenen Freunden was sie während der 7 Jahre erlebt hat. Auf der einen Seite erlebt der Zuschauer ausschnitthaft die Gegenwart, die meiste Zeit jedoch spielt sich die Handlung - durch Prairie erzählt - in der Vergangenheit ab. Diese handelt von ihrer frühen Kindheit, der anschließenden Adoption durch die Johnsons, ihrer Nahtoderfahrung infolge eines Unfalls und der Gefangenschaft im Keller eines Wissenschaftlers, welcher hervorragend gespielt durch Jason Isaacs, seine ganz eigene Geschichte durchlebt.

Hinter der Serie steht das Studio Plan B von Brad Pitt
Verfilmt wird die Geheimtipp-Serie von Plan B Entertainment (u.a. gegründet von Schauspielikonen Jennifer Aniston und Brad Pitt) und Anonymous Content, zwei erfahrene Produktionsstudios am Hollywood-Horizont. Plan B, ein Studio welches Filme wie Selma, The Tree of Life, 12 Years a Slave sowie Klassiker wie Troja oder Charlie und die Schokoladenfabrik hervorbringt, hat nicht nur einen hervorragenden Stil, sondern auch beachtliche Referenzen vorzuweisen. Anonymous Content hingegen ist spezialisiert auf Werbe- und Musikvideos, hat sich aber bereits einen Namen gemacht mit Amazons neuer Top-Serie Mr. Robot und diversen Kinoerfolgen wie Spotlight oder The Revenant.



Cindy Holland, Vice-President aller Netflix Original Serien, gab sich begeistert und euphorisch hinsichtlich der Produzenten-Symbiose: Batmanglij & Marling. Beide seien was Kreativität vor und hinter der Kamera angehe, ein großartig wie anregendes Team. Netflix sei stolz darauf als erster Anbieter Host zu sein für die The OA - Co-Produktion der beiden jungen Talente.

Bekannt wurden die beiden Youngstars in der Produzentenwelt durch gemeinsame Projekte wie Sound of my Voice und The East. Beide Filme wurden überwiegend positiv aufgefasst und besonders in alternativen Kreisen filmhungriger Cineasten als kreativ, intelligent und facettenreich wahrgenommen.

Fazit

Facettenreich und überraschend habe ich auch The OA wahrgenommen. Es ist eine Serie, bei der es lohnt dran zu bleiben! Auch wenn vieles ungeklärt bleibt, ist sie doch zu jedem Zeitpunkt spannend. Die Geschichte selbst erzählt vom Miteinander sein, von Engeln, von Wissenschaft, Beziehungen und Vertrauen, von Glaube, vom Blindsein und von dem, was wir uns nach dem Tod zwar vorstellen, aber doch nicht begreifen können.

Eine Nischenserie die wohl Geschmackssache ist!
Die Serie, welche von Marling und Batmanglij durchgehend nebulös und mehr einem Gleichnis ähnelnd als logisch aufgebaut gedreht wurde, ist meiner Meinung nach als Interpretation des Lebens und der Nahtoderfahrung auszulegen. Hierbei merkt man die Handschrift der beiden Regisseure in jedem noch so kleinen Detail. Musik, Bild und Schauspiel sind ganz Marlings eigentümlichen Stil angepasst, welchen sie auch schon in Another Earth bewies. Wer Stranger Things mochte, der wird möglicherweise auch The OA mögen. Wer The Tree of Life als gut empfand, der wird The OA als ebenfalls wertvoll ansehen. Letztlich ist und bleibt die neue Netflix-Serie wohl ein Nischenprodukt, Geschmackssache und Subgenre am Serien-Horizont. Doch wer bereit ist, sich nicht nur berieseln zu lassen, sondern eigenständig das Gezeigte zu überdenken, dem kann diese Serie viel bieten. Reinschauen lohnt sich!

The OA - ist intelligent und minimal gedreht, neu und inspirierend. Das Batmanglij & Marling Duett schafft ein völlig neues Genre mit eigener Sichtweise und viel Spielraum für mehr.

Apropos “Mehr”. Nach dem Cliffhanger aus Staffel 1 wird klar, dass genug Potenzial vorhanden ist für eine zweite Staffel. Alles was fehlt, ist die Zusage durch Netflix. Newsslash wird euch über alle Staffel-Specials und Serien-Neuerungen auf dem Laufenden halten.

The OA steht seit dem 16.12.2016 im deutschen Netflix-Abo zur Verfügung.

Tipp: Newsslash berichtet täglich über die neuesten Netflix Inhalte. Hier gelangt ihr zu unserer Übersicht: Netflix Neuerscheinungen Überblick
Tags: Serie, The OA, Netflix
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